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Geschichte der Bühne

Geschichte Späldäl kurz

Die Plattdütsch Späldäl to Stralsund ist heute die älteste und einzige Niederdeutsche Bühne in Vorpommern. Sie entstand schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg.


Im November/Dezember 1920 wurde der Plattdütsch Verein to Stralsund gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten bekannte Stralsunder, wie Fritz Wähnke, Richard Burmeister sowie der erste Vereinsvorsitzende Hermann Elgeti.


Bereits im Frühjahr 1921 begannen Mitglieder dieses Vereines mit der Inszenierung eines Theaterstückes. „Ut de Preußentied“ von Carl Beyer war ein Stück aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges. Gespielt wurde zunächst im Lokal „Zum Brunnen“ am Knieperdamm.


Am 3. Dezember 1921 erfolgte die erste Aufführung im jungen Stralsunder Stadttheater mit „Kramer Krey“ von Hermann Boßdorf.


Von Anfang an waren die Vorstellungen beliebt und gefragt. Die Namen der Spieler waren noch bis in die 60er-Jahre ein Begriff.


1924 übernahm Wilhelm Puchert die Leitung der Bühne und behielt sie bis 1974 in den Händen. „Willem“ war nicht nur Darsteller und Regisseur, er versuchte sich auch als Autor und Bearbeiter.


In den 50er-Jahren standen oftmals zwei bis sieben Stücke jährlich auf dem Spielplan. Zum Ensemble gehörte lange auch eine Tanzgruppe, die es zu zahlreichen, auch internationalen Auftritten brachte. Für ihre Verdienste bei der Pflege der Niederdeutschen Sprache in jener Zeit erhielt die Späldäl den John-Brinckmann-Preis und mehrmals den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. 1964 gastierte die Späldäl in Schleswig mit Rolf Schümanns Stück „Twee to Null för Oma“.


1965 gelangte Dietrich Pucherts „To Gast bi Witt“ zur Uraufführung. Danach konnten infolge Darstellermangels bis 1974 nur literarische Programme der kleinen Form angeboten werden. Als Dietrich Puchert 1974 von seinem Vater die Bühnenleitung übernahm, konnte er, mit neuen Aktiven an alte Traditionen anknüpfend, die Spieltätigkeit wieder aufnehmen. Unter der Regie von Manfred Krüger ging es mit „Wur kann't angahn“ von Annemarie Langen-Koffler und Wilhelm Puchert wieder los.


Nach der Wiederaufführung von „To Gast bi Witt“ und dem Beitrag zur 750- Jahr- Feier Stralsunds, „De düstern Lantüchten“ von Erich Hagemeister, übernahm Karl Peplow die Bühnenleitung und gab mit der Uraufführung seines Stückes „Den'n Düwel siene Schwester“ auch seinen Einstand als Autor.


1958 war es erstmals gelungen, einen Vertrag mit dem Stralsunder Theater abzuschließen. Auf dieser Grundlage basiert bis heute eine produktive Zusammenarbeit mit dem Theater Vorpommern. Regisseure aus dem Ensemble wie Hein Kröger, Answalt Liwér, Ralf Lehm, Gertraude Gulden-Schwarzer, Uwe Laux, Dirk Möller, Juliane Theurer-Willert und Hans Löbnitz standen und stehen der Späldäl bei den Inszenierungen zur Seite.


Mitarbeiter des Theaters, ob aus Werkstatt und Fundus, Beleuchtung, Bühnentechnik und Maskenbildnerei haben immer gern geholfen. Dafür ist die Späldäl sehr dankbar.


Mit der politischen Wende und der letzten Aufführung von Hans Draehmpaehls Stück „Wohen mit all dat Geld?“ anlässlich des Bühnentages 1990 in Güstrow kamen auf die Späldäl vielfältige Veränderungen zu. Nicht nur der Verlust langjähriger aktiver Mitglieder, auch das Nicht- mehr- Vorhandensein vieler kleiner Spielstätten in den Städten und Dörfern lähmte zeitweilig die Bühne.


Trotz der nun wieder möglichen Kontakte zu den Bühnen und Verlagen im Westen hatte jeder mit sich selbst zu tun- die einen hatten keine Arbeit, andere mehr als genug davon.


Ungelöst war und blieb das Problem der Unterbringung von Kulissen und Archiv. Die jahrzehntelange, verlustreiche Odyssee durch Keller und Abbruchhäuser der Stralsunder Innenstadt sollte mit dem Einzug der Späldäl in das ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen rekonstruierte Brauhaus hinter dem Wulflamhaus ein Ende haben. Kasernenkeller auf der Insel Dänholm beherbergten lange die Späldäl-Kulissen und das Archiv. Das Brauhaus stand als Spielstätte zur Verfügung.


Die Wiederaufführung von Karl Bunjes Klassiker „Up Düwels Schuwkor“ sowie die Uraufführung des Stückes „...un denn keem Kurt" von Karl Peplow brachten die Späldäl nach der Wende wieder sachte in Schwung.


Diesen Schwung galt es nun immer wieder zu erneuern. 2001 nahmen junge Leute das Zepter in die Hand. Mit Jan Barnewitz als Bühnenleiter, Petra Schwaan-Nandke als künstlerische Leiterin- sie trägt auch als Autorin und Übersetzerin zum Gelingen der Inszenierungen bei-und Antje Pietsch als Schatzmeisterin kam frischer Wind in die Bühnenarbeit.


So gelangten nun auch moderne Stücke der Weltliteratur zur Aufführung. Regisseure wie Gerd-Franz Triebenecker und Holger Schulze hinterließen ihre Handschrift. „Kinner, Kök un Kark“ sowie „Betahlt ward nich“ von Dario Fo waren der Anfang. Es folgten Klassiker wie „Fisch to viert“ und „De Troschien“.


Die Pflege und Bewahrung regionaler Traditionen, insbesondere durch die Aufführung von Theaterstücken nach literarischen Vorlagen aus Vorpommern, spielt immer eine wichtige Rolle. Dazu gehörten Dramatisierungen nach Märchen von Ernst Moritz Arndt, nach dem Erstlingsroman von Herbert Nachbar „Der Mond hat einen Hof“ oder Ehm Welks „Die Heiden von Kummerow“ gemeinsam mit Kindern der Spielbühne Stralsund. Plattdeutsche Märchen wurden in den Spielplan aufgenommen, um Kindern und Jugendlichen die Heimatsprache näher zu bringen.


Die Zusammenarbeit mit den Darß-Festspielen und deren Intendanten Holger Schulze als Regisseur belebte den Spielplan spürbar.


Regen Zuspruches erfreuten sich die regelmäßigen „Schnack“-Veranstaltungen, in denen neben den Mitgliedern der Späldäl auch Persönlichkeiten aus der Stadt und der Region zu Wort kommen. Ein großes Publikum fanden ebenso die historischen Ratssitzungen zur Langen Nacht des offenen Denkmals.


Als bisheriger Höhepunkt galt die Inszenierung „Das Kahnweib“ nach dem bekannten Roman von Gerhard Dallmann mit über hundert Mitwirkenden.


Für ihre jahrzehntelange Tätigkeit erhielt die Späldäl 2008 den Landeskulturförderpreis.
Seit 2013 hat Karl Peplow wieder die Leitung der Späldäl übernommen.


Nun gilt es, den 100. Geburtstag der Bühne anzusteuern.

Geschichte Späldal lang

100 Jahre Plattdütsch Späldäl to Stralsund© von Annett Geldschläger, Christian und Karl Peplow

 

Die Plattdütsch Späldäl to Stralsund ist heute die älteste und einzige Niederdeutsche Bühne in Vorpommern. Gemeinsam mit der Niederdeutschen Bühne Rostock (Mecklenburg) feiert sie in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag- ein freudiger Grund, einen kurzen Blick auf die bewegte Geschichte der Bühne zu werfen.


Der Verein, aus dem auch die niederdeutsche Theatersparte hervorging, entstand kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Im November/Dezember 1920 wurde der „Plattdütsch Verein to Stralsund“ gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten bekannte Stralsunder, wie Fritz Wähnke, Richard Burmeister sowie der erste Vereinsvorsitzende Hermann Elgeti. Bereits im Frühjahr 1921 begannen Mitglieder dieses Vereines mit der Inszenierung eines kleinen Theaterstückes. „Ut de Preußentied“ von Carl Beyer war eine Inszenierung, die sich mit der Zeit des Siebenjährigen Krieges beschäftigte. Gespielt wurde zunächst im Lokal „Zum Brunnen“ am Knieperdamm.


Am 3. Dezember 1921 erfolgte die erste Aufführung im noch jungen Stralsunder Stadttheater mit „Kramer Krey“ von Hermann Boßdorf. „Das Stadttheater hatte sich als nicht zu groß erwiesen, denn es war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Zuhörer waren mit dem Dargebotenen sehr zufrieden, kargten nicht mit dem Beifall während des Spiels, besonders, wenn es galt, irgend einem guten Bekannten seine Anerkennung dafür zum Ausdruck zu bringen, daß er sich auf die gefährlichen Bretter, die da Bühne heißen, gewagt hatte…“


Von Anfang an waren die Vorstellungen beliebt und gefragt. Bald waren die Namen der Spieler stadtbekannt. Mitstreiter wie Otto Kemnitz, Hans Knull, Charlotte Hochfeld, Ernst Ross, Marianne Zöllner, Otto Schiel und Claire Wennrich waren noch bis in die 60er Jahre ein Begriff. Diese erste Vorstellung gilt vereinsintern als die eigentliche Geburtsstunde der niederdeutschen Theatersparte der Späldäl. Wenn man es daher ganz genau nimmt, wird das 100. Bühnenjubiläum erst 2021 zu feiern sein. Dafür ist ein besonderes Stück geplant, das Tradition, aber auch Moderne der Späldäl einfangen wird.


1924 übernahm Wilhelm Puchert die Leitung der Bühne und behielt sie bis 1974 in den Händen. „Willem“ war nicht nur Darsteller und Regisseur, er versuchte sich auch als Autor und Bearbeiter. Es muss deutlich gesagt werden, dass der Name Wilhelm Puchert wie auch der seines Sohnes Dietrich für immer mit der Späldäl verbunden sein werden. Selbst im 21. Jahrhundert vergeht kaum eine Probe oder ein Treffen, bei dem nicht einer der beiden Namen fällt.


In den 1950er-Jahren standen oftmals zwei bis sieben Stücke jährlich auf dem Spielplan. Eine unglaubliche Zahl an Inszenierungen, die sich nur durch eine sehr große Mitgliederanzahl erklären lässt. Was viele nicht wissen, die die Namen Plattdütsch Späldäl hören: Zum Ensemble gehörte lange auch eine Tanzgruppe, die es zu zahlreichen, auch internationalen Auftritten brachte.


Die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts waren für viele Vereine eine Blütezeit. Auch die Späldäl erlebte zahlreiche erfolgreiche Inszenierungen und begeisterte das Publikum nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. Die niederdeutschen Bühnen im Land sahen es nämlich als eine wichtige Aufgabe, zu den Menschen „nach Hause“ zu fahren und dort zu spielen, wo Kunst und Kultur erwünscht und gebraucht wurden.


Für ihre Verdienste bei der Pflege der Niederdeutschen Sprache in jener Zeit erhielt die Späldäl den John-Brinckman-Preis und mehrmals den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. 1965 gastierte die Späldäl sogar in Schleswig mit Rolf Schümanns Stück „Twee to Null för Oma“. Im selben Jahr gelangte Dietrich Pucherts „To Gast bi Witt“ zur Uraufführung.


Doch jedes Hoch hält mitunter ein Tief bereit. Davon wurde auch die Späldäl nicht verschont. Infolge des Mangels an Darstellern konnten bis 1974 nur literarische Programme der kleinen Form angeboten werden. Die Späldäl stand an einem Scheideweg.


Als Dietrich Puchert 1974 die Bühnenleitung von seinem Vater Wilhelm übernahm, konnte er, mit neuen Aktiven an alte Traditionen anknüpfend, einen Weg in die Zukunft weisen und die Spieltätigkeit wieder aufnehmen. Unter der Regie von Manfred Krüger ging es mit "Wur kann't angahn" von Annemarie Langen-Koffler/Wilhelm Puchert los und mit Max Dreyers "Dat Sympathiemiddel", Günter Kypkes "Pinselquälers" und "De Reis na Konstantinopel" von Fritz Reuter/ Manfred Krüger weiter. Die Späldäl erlebte ihren zweiten Frühling. Namenhafte Akteure wie zum Beispiel Heinz Medrow, Gusti Schmidt, Hans und Horst Barnewitz, Rita Jager, Bruno Scharp, Werner Below, Herbert Seidel sowie Uli Bumann und Ellen Pietsch (beide seit 60 Jahren Mitglied in der Späldäl und bis heute aktiv auf der Bühne!) knüpften an alte Traditionen sehr erfolgreich an und ließen die Spieltätigkeit der Späldäl wieder aufblühen.


Nach der Wiederaufführung von „To Gast bi Witt“ und dem Beitrag zur 750- Jahr- Feier Stralsunds, „De düstern Lantüchten“ von Erich Hagemeister, übernahm Karl Peplow 1984 die Bühnenleitung und gab mit der Uraufführung seines Stückes „Den'n Düwel siene Schwester“ auch seinen Einstand als Autor.


Bereits zu Zeiten der DDR war es erstmals gelungen, einen Vertrag mit dem Stralsunder Theater abzuschließen. Auf dieser Grundlage basiert bis heute eine produktive Zusammenarbeit mit dem Theater in Stralsund (nun Theater Vorpommern). Ebenso erhielt die Bühne manche wichtige Unterstützung von der Stadt und aus städtischen Betrieben, insbesondere aus dem zeitweiligen Patenbetrieb HO WtB-I.


Was der junge Bühnenleiter Karl Peplow zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte, war, dass es schon bald seine Aufgabe sein würde, die Späldäl über eine bedeutende Zeitenwende zu führen und ihr einen Platz im wiedervereinten Deutschland zu sichern. Mit dem Mauerfall 1989, der politischen Wende ein Jahr später und der letzten Aufführung von Hans Draehmpaehls Stück „Wohen mit all dat Geld?“ anlässlich des Bühnentages 1990 in Güstrow kamen auf die Späldäl vielfältige Veränderungen zu.

 

Nicht nur der Verlust langjähriger aktiver Mitglieder, auch das Nichtmehrvorhandensein vieler kleiner Spielstätten in den Städten und Dörfern lähmte die Bühne zeitweilig. Trotz der nun wieder möglichen Kontakte zu den Bühnen und Verlagen in den alten Bundesländern hatte jeder in der Bühne zunächst mit sich selbst zu tun. Die einen hatten keine Arbeit, andere mehr als genug davon.


Ungelöst war und blieb ab sofort das Problem der Unterbringung von Kulissen und Archiv. Die jahrzehntelange, verlustreiche Odyssee durch Keller und Abbruchhäuser der Stralsunder Innenstadt sollte mit dem Einzug der Späldäl in das ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen rekonstruierte Brauhaus hinter dem Wulflamhaus ein Ende haben. Da jedoch das Theater die Oberhoheit über das Brauhaus erhielt, Um- und Einbauten vornehmen ließ und zudem selbst Materialien einlagerte, stand der Späldäl zwar eine großartige Spielstätte zur Verfügung, Kulissen und Archiv mussten jedoch andernorts untergebracht werden. Ein Kasernenkeller auf der Insel Dänholm beherbergte für die kommenden Jahre die Späldäl-Kulissen und das Archiv.


Dass das Brauhaus in den 90er Jahren als Spielstätte zur Verfügung stand, war ein wunderbarer Umstand. Die Wiederaufführung von Karl Bunjes Klassiker „Up Düwels Schuwkor“ sowie die Uraufführung des Stückes „...un denn keem Kurt" von Karl Peplow brachten die Späldäl wieder sachte in Schwung. Zahlreiche Regisseure (mitunter Mitglieder des Ensembles) aus dieser Zeit wie Answalt Liwér, Ralf Lehm, Gertraude Gulden-Schwarzer, Uwe Laux (†), Dirk Möller, Juliane Theurer-Willert und Hans Löbnitz standen und stehen zum Teil noch immer der Späldäl bei den Inszenierungen zur Seite. Mitarbeiter des Theaters, ob aus Werkstatt und Fundus, Beleuchtung, Bühnentechnik und Maskenbildnerei haben immer gern geholfen. Dafür ist die Späldäl sehr dankbar.


Der Beginn des 21. Jahrhundert brachte auch für die Späldäl neue Herausforderungen. Karl Peplow gab die Bühnenleitung nach 26 Jahren ab. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass auch sein Name für immer mit der Späldäl untrennbar verbunden sein wird. 2001 nahmen junge Leute das Zepter in die Hand. Mit Jan Barnewitz als Bühnenleiter, Petra Schwaan-Nandke als künstlerische Leiterin und Antje Pietsch als Schatzmeisterin kam frischer Wind in die Bühnenarbeit. Petra Schwaan-Nandke trug neben ihrer unglaublichen Arbeit als künstlerische Leiterin auch als Autorin und Übersetzerin zum grandiosen Gelingen kommender Inszenierungen bei.

 

Sie bewies bei der Stückausfall viel Mut und scheute auch nicht davor zurück moderne Stücke der Weltliteratur zur Aufführung zu bringen. „Kinner, Kök un Kark“ sowie „Betahlt ward nich“ von Dario Fo waren der Anfang. Es folgten Klassiker wie „Fisch to viert“ und „De Troschien“. Regisseure wie Gerd-Franz Triebenecker und Holger Schulze hinterließen ihre unverkennbare Handschrift.


Die Pflege und Bewahrung regionaler Traditionen, insbesondere durch die Aufführung von Theaterstücken nach literarischen Vorlagen aus Vorpommern, spielte immer eine wichtige Rolle. Dazu gehörten Dramatisierungen nach Märchen von Ernst Moritz Arndt ("De Schauh ut Glas"), nach dem Erstlingsroman von Herbert Nachbar „Der Mond hat einen Hof“ oder Ehm Welks „Die Heiden von Kummerow“ gemeinsam mit Kindern der Spielbühne Stralsund. Plattdeutsche Märchen wurden in den Spielplan aufgenommen, um Kindern und Jugendlichen die Heimatsprache näher zu bringen. Die Zusammenarbeit mit den Darß-Festspielen und deren Intendanten Holger Schulze als Regisseur belebte den Spielplan spürbar.


Regen Zuspruches erfreuten sich die regelmäßigen „Schnack“-Veranstaltungen, in denen neben den Mitgliedern der Späldäl auch viele Persönlichkeiten aus der Stadt und der Region zu Wort kommen. Ein großes Publikum fanden ebenso die historischen Ratssitzungen zur Langen Nacht des offenen Denkmals (2003-2012). Als bisheriger Höhepunkt galt die zweimalige Inszenierung „Das Kahnweib“ nach dem bekannten Roman von Gerhard Dallmann mit über einhundert Mitwirkenden. Nicht zuletzt dem Einsatz des jungen Vorstandes und dem Mut der künstlerischen Leiterin ist es zu verdanken, dass sich die Späldäl weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus Gehör verschaffte.

 

Für ihre jahrzehntelange Tätigkeit erhielt die Späldäl daher auch 2008 den Landeskulturförderpreis, eine der höchsten Kulturauszeichnungen, die das Land Mecklenburg-Vorpommern zu vergeben hat.


Seit 2013 hat Karl Peplow erneut die Leitung der Späldäl übernommen und führt aktuell, nach dem Ausscheiden von Antje Pitsch als Schatzmeisterin im Jahr 2016, gemeinsam mit seinem Sohn Christian Peplow (künstlerischer Leiter) und seiner Schwiegertochter Susanne Peplow (Schatzmeisterin) den Verein.


Nun also feiern wir in diesem Jahr den 100. Geburtstag der Bühne. Es wird ein historischer Geburtstag, der zugleich an die unglaubliche Geschichte der Späldäl erinnern wird, aber auch einen deutlichen und ersthaften Blick in die Zukunft werfen muss. Die Anzahl der aktiven Mitspieler ist auf unter zehn Personen gesunken. Nach unserem Jubiläumsstück 2021 werden sich weitere jahrelange Mitglieder aus Altersgründen aus dem aktiven Spielbetrieb zurückziehen. Der Vorstand der Späldäl steht daher vor einer großen Herausforderung, die Bühne auch für kommende Generationen am Leben zu erhalten. Hierzu bedarf es neuer Konzepte und mutiger Schritte.

 

Ob diese Veränderungen bei den Vereinsmitgliedern und dem Publikum auf Zuspruch treffen werden, wird die Zukunft zeigen. Die produktive Zusammenarbeit mit dem Theater Vorpommern bietet dabei eine gute Voraussetzung, um die Bemühungen um die Pflege der Niederdeutschen Sprache gemeinsam mit den vielen anderen gleichgesinnten Bühnen in Norddeutschland erfolgreich fortsetzen zu können.


Dass es die Späldäl heute noch gibt, dass die heutigen Mitglieder, auch, wenn sie Laien sind, aber genauso viel Freude am Theaterspielen haben wie die Maaten von 1920/21 drückt sich nicht zuletzt in jenem Spruch aus, den wir schon oft zitierten und der uns immer wieder motiviert:

 

Theater is keen Spälerie, de Tied bloß to verdrieben.
Wi denken uns väl mier dorbi, un so sall’t ümmer blieben.
Dat Spälen is uns Hartenssaak. Will’n Ji uns Markwurt hüren?
Wi willen uns leef Muddersprak to hoge Achtung führen.

 

De Geschicht von de Plattdütsch Spädäl

De Plattdütsch Späldäl to Stralsund is hüt de öllste un eenzige Nedderdütsche Bühn in Vörpommern.

 

1920 würd se ut den'n Heimatverein "Der Plattdeutsche Verein to Stralsund" gründ'. Mitbegrünner wieren bekannte Strolsunner: Fritz Wähnke, Richard Burmeister, Paul Scholz, Otto Schiel un Wilhelm Puchert.


De allerierste Uptritt in dat junge Stadttheater wier Ende 1921 mit dat Stück "Kramer Kray" von Herrmann Boßdorf. Spälernamen wie Otto Kemnitz, Hans Knull, Charlotte Hochfeld, Ernst Ross, Marianne Zöllner, Claire Wennrich un manch anner wieren bit in die 60er Johre een Begriff.


1924 würd Wilhelm Puchert Bühnenleiter. He wier nich bloß Späler un Regisseur, he hett ok Stücke schräben udn bearbeit'. Unner siene Stürung stünnen in de 50er Johr oftmals twee bit söben Stücke in't Johr up den'n Spälplan.


1964 geef de Späldäl mit Rolf Schümanns Stück "Twee to Null vör Oma" dat ierste un eenzige Mal in de BRD - in Schleswig - een Gastspill.


Von 1965 bit 1974 künnen bloß literarische Programme anbaden warden, wiel dat nich nooch Spälers geef. Als Dietrich Puchert 1974 von sienen Vadder de Bühnenstürung öwernahmen har, künn he mit Maaten as Heinz Medrow, Gusti Schmidt, Hans un Horst Barnewitz, Rita Jager, Bruno Scharp, Ulrich Bumann, Werner Below, Ellen Pietsch un anner de ollen Traditionen wedder upnehmen.


Manfred Krüger as Regisseur bröchte mit de Späldäl "Wur kann't angahn" von Annemarie Langen-Koffler / Wilhelm Puchert, Max Dreyers "Sympathiemiddel", Günter Kypkes "Pinselquälers" un sien eegen Stück "De Reis' na Konstantinopel" na Fritz Reuter rut.
Na Dietrich Pucherts "To Gast bi Witt" keem de Bidrag to de 750-Johr-Fier von Stralsund, "De düstern Lantüchten" von Erich Hagemeister. 1984 üwernehm Karl Peplow dat Stür in de Späldäl un geef mit sien Stück "Den'n Düwel siene Schwester" sienen Instand as Schriewer.


Na de letzte Upführung von Hans Draehmpaehls "Wohen mit all dat Geld" keem 1990 för de Späldäl mit de Wende ok väl anners. Nich bloß, dat langjöhrige Mitspälers nich mier dor wieren, ok de välen Spälurte in't Land fehlten. Ok har jedereen ierst mal mit sich sülwst to dohn; de eenen haren keene Arbeit, de annern miehr als nooch dorvon. Up de anner Siet wier dat nu endlich möglich, an de Stücke rantokamen, de in de "Westverlage" legen, und dat hett de Späldäl utnützt. De Wunsch, endlich mal wedder "Up Düwels Schuvkor" spälen to können, würd erfüllt.


Denn keem dat Problem, wur de Kulissen un dat Archiv bliewen sullen. Över väle Johre wieren de Saken dörch Keller, kaputte Hüser un Garagen in de Strolsunner Innerstadt wannert. Dat sull to End sin, as de Späldäl in dat Bruhus achter dat Wulflamhus trecken sull, wat damals ganz na ehre Wünsche un Vörstellungen upbugt worden is. Öwer: Mit de Wende keem ok dat anners. Statt in dat Hus bi den Bruhus wieren denn twee Kasernenkeller up den'n Dänholm üwer Johre dat Tohus för Kulissen, Kledagen, Requisiten, Archiv un Büro. Dörch ABM künn dat inricht' warden.


In dat Bruhus würd Plattdütsches Theater spält, öwer natürlich ok in dat grote Theater - denn unnerkriegen leet sik de Späldäl nich! Niege un olle Stücke würden instudiert, bi väle Feste in Stralsund un annerwegens is de Späldäl dorbi west.


Dormit junge Spälers nawassen künnen, würd mit Gertraude Gulden-Schwarzer un ehre Spälbühn väl gemeinsam makt.
In all de Johre siet 1921 sünd öwer 100 Stücke öwer de Bühn gahn, manche dorvon miermals. In binah 120 Urte in uns' Land is de Späldäl to Gast wäst. Öwer 200 Maaten hebben in disse Tied up un achter de Bühn mitmakt.


Wur't wiedergeht?


Dat warden wi beläwen, wurans Plattdütsch un dat plattdütsche Theaterspälen in de nächste Tied stahn warden. Wat wi dorto maken können, dat willen wi maken!

 

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